Gesellschaft
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Office Assistant, Customer Service-Agent oder Facility Manager. Die englische Sprache scheint den Schweizer Arbeitsmarkt zu erobern. Englisch gilt als wichtigste Fremdsprache, ein Titel, welcher einst dem Französischen vorbehalten war. Arbeitsmarkt-Experte Fredy Pillinger und Gastronomie-Experte Rène Rechsteiner ordnen die Lage in St. Gallen ein.
«Schweizerdeutsch und Hochdeutsch sind klar auf Platz 1»
Obwohl Englisch als Corporate Language immer mehr Einzug in die Arbeitswelt erlangt, sind in der Ostschweiz nach wie vor Deutschkenntnisse am wichtigsten auf dem Arbeitsmarkt. Dies liegt nicht zuletzt an der geografischen Nähe zu Deutschland und Österreich, sagt Fredy Pillinger, Verkaufsleiter vom Jobportal ostjobs.ch. «Es ist sehr branchenabhängig», antwortet Pillinger auf die Frage, wie wichtig Mehrsprachigkeit bei der Jobsuche sei. Vor allem in der IT, dem Forschungsbereich, der Industrie oder der Import/Export-Logistik gehöre Englisch zum Alltag. Allgemein sei es von Vorteil, Englisch zu sprechen, wenn man bei einem internationalen Unternehmen arbeiten möchte oder viel Kontakt zu Stellen im Ausland zur Jobbeschreibung gehört. Bei Unternehmen, welche schweizweit tätig und vernetzt sind, sei es zudem von Vorteil wenn man noch eine weitere Landessprache spricht.

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Auch bei viel Kundenkontakt ist Englisch nicht zwingend
Es gibt zwar Beispiele, bei welchen relativ klar ist, was für eine Sprachkompetenz erwartet wird.
Ein Bäcker muss beispielsweise nicht zwingend Englisch sprechen können, um Brot zu verkaufen, genau wie man als Hotel-Concierge nicht weit kommt, wenn man nur Schweizerdeutsch spricht. Ein Job im Restaurant scheint eher in die zweite Kategorie zu fallen: viele internationale Gäste, viel Kundenkontakt.
Doch der Schein trügt. Es sei zwar wichtig, jemanden im Team zu haben, der Englisch spricht, es sei aber nicht zwingend nötig oder gar ein Ausschlusskriterium, sagt Renè Rechsteiner, Restaurantbesitzer und Präsident des St. Galler Gastroverbands. Was man nämlich beim Thema Mehrsprachigkeit im Arbeitsmarkt nicht vergessen darf, Sprache ist bei den wenigsten Berufen die Hauptkompetenz, welche man an den Tag legen muss. Dies zeigt sich bei der Arbeit im Restaurant ganz gut. Im Service sei es vor allem wichtig, höflich, zuverlässig und authentisch zu sein, meint Rechsteiner. Zur Not könne immer jemand herbeigerufen werden, der Englisch oder eine andere Fremdsprache beherrscht.

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Französisch verliert immer mehr an Bedeutung
Dass Englisch die weitaus wichtigere Fremdsprache als Französisch ist, dürfte klar sein. Dies war jedoch nicht immer so. Vor rund 10 Jahren war es bei der Jobsuche in der Ostschweiz noch wichtiger, Französisch sprechen zu können als Englisch, sagt Fredy Pillinger von ostjobs.ch. Was mittlerweile schweizweit spannend zu beobachten ist, je weiter man sich vom französischen Raum entfernt, desto mehr verliert Französisch an Bedeutung. So ist fliessend Französisch zu sprechen in Zürich oder Bern ein grösserer Vorteil bei der Arbeitssuche als in St. Gallen. Auch im Einzelbeispiel des Restaurants hat es diesen Wandel gegeben, wie Gastroexperte Renè Rechsteiner im Interview bestätigte. Früher waren sogar die Speisekarten oft nur auf Französisch geschrieben. Grund dafür dürfte der grosse Einfluss der französischen Küche auf die europäische Gastronomie sein. Dieser zeigt sich auch in Küchen-Alltagsbegriffen wie «Flambieren», «Marinieren» oder dem Wort «Restaurant» selbst, welche allesamt aus dem Französischen stammen. Mittlerweile spielt Französisch, zumindest intern, keine grosse Rolle mehr in der Gastronomie. Laut Rechsteiner werde dafür Spanisch immer wichtiger im Kundenkontakt.
Cedric Holstein / 10.07.2026