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Quelle: Anja Leibacher/toxic.fm

Handwerken mit Sehbehinderung

Die meisten Menschen können sich nicht vorstellen, wie es ist, Alltagssituationen und Hobbys ohne Sehvermögen zu meistern. Das Bildungs- und Begegnungszentrum St. Gallen bietet sehbehinderten Menschen die Möglichkeit, diesen Nachteil auszugleichen. Gemeinsam bauen, basteln und kochen sie täglich, wobei der Austausch zwischen den Besuchern eine grosse Rolle spielt. 

Im Atelier gibt es mehrere Webstühle, eine Station, um Kerzen zu ziehen und zu giessen, eine Küche und verschiedene Tische zum Häkeln, Stricken oder Grusskarten Basteln. Seit kurzem können die Besucher auch Tongeschirr giessen und verzieren. Dabei unterstützen sie die Betreuerinnen des Bildungs- und Begegnungszentrums.  

Alltagshilfen für Sehbehinderte 

Auch die Infrastruktur ist auf Blinde und Sehbehinderte ausgelegt. Die Räume sind mit vielen Hell- und Dunkelkontrasten gestaltet, um die selbstständige Arbeit zu fördern. Ausserdem sind viele Möbel und Geräte mit Blindenschrift beschriftet oder geben sogar Ton- und Stimmsignale. Wie zum Beispiel die etwas andere Mikrowelle, die die Besucher selber bedienen können. Alle Angaben, die sehende Menschen durch ein Display erhalten, sagt das Gerät automatisch. Solche Kleinigkeiten erleichtern den Alltag sehbehinderter Menschen sehr. 

«Kein Tag ist wie der andere» 

«Das Schönste für mich ist, dass man gegenseitig von sich lernen kann», sagt Silvia Erb, die Leiterin des Treffpunkts. Es ist ihr wichtig, dass das Zentrum für die Besucher ein Ort ist, an den sie gerne kommen und sich entspannen können. «Kein Tag ist wie der andere und das liebe ich an meinem Job», beteuert sie weiter. Im Arbeitsalltag hüpft Silvia Erb von der Küche in die Holzwerkstatt, weiter zu den Webstühlen und zurück in die Küche. Daneben erledigt sie Telefonate und organisiert alles rund um den Treffpunkt.

 

Kochen lernen für zu Hause 

An einzelnen Tagen haben die Besucher die Möglichkeit zu kochen. Sie lernen einfache Rezepte, die sie auch zu Hause selbst zubereiten können. Dabei schaut ihnen die Leiterin über die Schultern und hilft, falls etwas nicht funktioniert. Zur Mittagszeit treffen sich alle Besucher in der Küche am Esstisch, sprechen über ihre Erlebnisse und geniessen das mit Freude zubereitete Mittagessen. 

Freude auch bei den Besuchern 

«Für mich ist das Zentrum eine gute Möglichkeit, einen Kontrast zum Alltag zu schaffen und aus meinen eigenen vier Wänden auszubrechen», erzählt Stephan Bär, Besucher des Ateliers. Er geht zwei Mal in der Woche in die Werkstatt und freut sich, immer wieder neue Handwerkskünste zu erlernen. Die Kunstwerke können die Besucher zum Eigengebrauch nutzen, verschenken oder gemeinsam am Weihnachtsmarkt verkaufen. 

 

Anja Leibacher, Andrea Vieira, 14.10.2021