Gesellschaft
Bildquelle: Marc Büchi
Der Sommer neigt sich dem Ende zu und die meisten Leute sind aus den Ferien bereits wieder in den Arbeitsalltag gestartet. Als Marc Büchi vor Drei Jahren aus den Ferien nach Hause kam, begann die Schwierigste Zeit seines Lebens. Er nahm nämlich keinen Linienflug von Hawaii in die Schweiz, sondern wurde vom Rega Jet nach Hause geflogen. Seine Diagnose: Surfers Myelopathie
«Du wirst nie wieder laufen können»
Marc wollte nach seiner Lehre erstmal richtig verreisen. Also erfüllte er sich einen seiner Träume und reiste nach Hawaii, um das Surfen zu lernen. Kaum angekommen, hatte er bereits in seiner ersten Surfstunde seinen Unfall. Durch die unnatürliche Körperhaltung beim Paddeln auf dem Surfbrett wurde sein Rückenmark nicht richtig durchblutet. Er spürte immer stärker werdende Schmerzen im Lendenwirbelbereich und fiel schlussendlich vom Brett. Als er an Land gebracht wurde, konnte er seine Beine nicht spüren. Als er seine Symptome schilderte, wurde er sehr schnell in ein Krankenhaus gebracht. Seine Diagnose: Surfer-Myelopathie, eine seltene Durchblutungsstörung im Rückenmark, welche zu Querschnittslähmung führen kann. So auch bei Marc. Seine Ärztin auf Hawaii sagte ihm noch, dass er nie wieder gehen könne. Ein Schock für den damals 20-Jährigen. «Man macht sich schon Gedanken darüber, wie das Leben im Rollstuhl weitergehen soll», erinnert er sich. Nach zwei Wochen wurde Marc dann vom Rega-Jet zurück in die Schweiz ins Paraplegie-Zentrum in Nottwil gebracht. Marc ist der zweite Schweizer mit der Diagnose. Es gibt auch weltweit nicht viele Daten über den Verlauf der Krankheit. Ob sich sein Zustand verbessert und ob er jemals wieder ohne den Rollstuhl auskommt, war anfangs also ungewiss.

Bildquelle: Marc Büchi
«Man lernt, sich über die kleinen Dinge zu freuen»
Was ihm damals sehr geholfen hat, waren seine Familie und seine Freunde. Eine psychische Therapie hat er nie in Anspruch genommen. Vielleicht auch, weil er in Nottwil seine spätere Freundin Vanessa kennengelernt hat, welche selbst als Physiotherapeutin arbeitet. Wer Marc in seiner bisherigen Zeit seit dem Unfall kennen lernte, weiss, dass er stets gut gelaunt ist. Auch schon die kleinsten körperlichen Fortschritte halfen ihm dabei, optimistisch zu bleiben. Zum Beispiel als er das erste Mal einen Zeh bewegen konnte. Irgendwann war es ihm dann möglich, aufrecht zu stehen und die ersten Schritte auf Krücken zu machen. Seine Freundin Vanessa half ihm auch im Alltag klarzukommen. Durch ihr Fachwissen konnte sie beispielsweise einschätzen, ob Marc einen Ausflug auch ohne Rollstuhl schaffen kann, was ihn weiter ermutigte. Er dokumentierte auch alle kleinen Fortschritte, um das Gesamtbild zu sehen. «Zurückzublicken und zu sehen, was damals nicht möglich war und heute wieder geht, ist ein riesiger Erfolg. Man ist an jedem Tag dafür dankbar, was wieder funktioniert», sagt Marc im Interview. Nach über drei Jahren Arbeit kann er inzwischen mit Hilfe seiner Krücken wieder aufrecht gehen und braucht den Rollstuhl fast gar nicht mehr.

Bildquelle: Marc Büchi
Mithilfe der eigenen Erfahrungen anderen Betroffenen helfen
Zuletzt hat Marc mit seiner Freundin Vanessa das Projekt «Revivo360» gestartet. Mit ihrem Angebot wollen die beiden anderen helfen, mit Schmerzen und Stress umzugehen. Nach seiner Reha hatte Marc sehr starke Schmerzen. «Ich merkte, wie die Schmerzen immer mehr mein Leben kontrollierten, Vanessa half mir mit den Schmerzen umzugehen und die Kontrolle wieder zurückzugewinnen», berichtet er. Er weiss, dass es vielen Menschen ähnlich geht, welche aber nicht ein so unterstützendes Umfeld haben wie er. Genau diesen Menschen möchte er helfen. Ihr Angebot ist jedoch auch für Menschen ohne körperliche Einschränkungen geeignet. beispielsweise zeigen die Beiden auch, wie man mit Stress umgeht.

Bild: Marc Büchi
Marcs Geschichte ist also noch lange nicht vorbei, nicht nur wegen Revivo360, sondern weil er selbst nach über drei Jahren immer noch körperliche Fortschritte macht.
Cedric Holstein / 03.09.2026